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Legasthenie, ADHS und kognitive Barrierefreiheit: Was wirklich hilft

Helfen Legasthenie-Schriften? Was macht eine Website ADHS-freundlich? Was laut Forschung Menschen mit Legasthenie, ADHS und kognitiven Einschränkungen online hilft.

Veröffentlicht 11 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Kognitive Barrierefreiheit heißt, Websites so zu gestalten, dass Menschen mit Legasthenie, ADHS, Gedächtnisproblemen und anderen kognitiven Beeinträchtigungen oder Lernschwierigkeiten sie verstehen und nutzen können. Die Belege sprechen für einfache Sprache, großzügige Abstände, vorhersehbare Layouts, weniger Unterbrechungen und fehlertolerante Formulare. Dass spezielle Legasthenie-Schriften das Lesen verbessern, ist nicht belegt, auch wenn manche Menschen sie bevorzugen.

Das Wichtigste

  • Legasthenie betrifft etwa 9 bis 12 % der Bevölkerung, und je nach Definition haben zwischen 2,58 % und 6,76 % der Erwachsenen ADHS.
  • Kontrollierte Studien fanden bei OpenDyslexic und Dyslexie keinen Vorteil beim Lesen, und eine Metaanalyse von 15 Studien aus dem Jahr 2026 ergab einen Effekt nahe null.
  • Abstände, kurze Zeilen, linksbündiger Satz und einfache Sprache sind besser belegt, und WCAG 1.4.12 verlangt, dass Ihr Layout zusätzliche Abstände verkraftet.
  • Bei ADHS bringt es am meisten, Unterbrechungen zu beseitigen: Autoplay, Pop-ups mitten in einer Aufgabe, bewegte Inhalte und lange Abläufe ohne erkennbaren Fortschritt.
  • WCAG 2.2 hat drei Kriterien ergänzt, die die kognitive Belastung senken: Konsistente Hilfe, Redundante Eingabe und Barrierefreie Authentifizierung.

Eine Kundin mit Legasthenie öffnet Ihre Seite zur Rücksendung: 900 Wörter Blocksatz in Hellgrau, und die eine Frist, auf die es ankommt, steckt im sechsten Absatz. Ein anderer Kunde mit ADHS beginnt Ihren Checkout, bekommt nach dem zweiten Feld ein Newsletter-Pop-up, schließt es und verliert den Faden. Keines der beiden Probleme zeigt sich in den meisten automatischen Checkern. Und keines davon lässt sich mit einer speziellen Schrift lösen.

Dieser Leitfaden trennt, was belegt ist, von dem, was vor allem Marketing ist, einschließlich einiger Funktionen, die unsere eigene Branche gern verkauft.

Was ist kognitive Barrierefreiheit?

Kognitive Barrierefreiheit bedeutet, Inhalte und Interaktionen für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen und Lernschwierigkeiten nutzbar zu machen, die Sprache, Gedächtnis, Aufmerksamkeit oder Zahlen anders verarbeiten. Sie umfasst Legasthenie, ADHS, Autismus, Dyskalkulie, Demenz, Hirnverletzungen und geistige Behinderung, und sie hilft auch allen, die müde oder gestresst sind oder in einer Zweitsprache lesen.

Die wichtigste Leitlinie ist Making Content Usable for People with Cognitive and Learning Disabilities (öffnet in einem neuen Tab) des W3C, eine am 29. April 2021 veröffentlichte Working Group Note, die die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) ergänzt. Sie ordnet ihre Empfehlungen acht Zielen zu:

  1. Nutzern helfen zu verstehen, was Dinge sind und wie man sie benutzt
  2. Nutzern helfen, zu finden, was sie brauchen
  3. Klare und verständliche Inhalte verwenden
  4. Nutzern helfen, Fehler zu vermeiden und zu wissen, wie man sie korrigiert
  5. Nutzern helfen, sich zu konzentrieren
  6. Dafür sorgen, dass Abläufe nicht vom Gedächtnis abhängen
  7. Hilfe und Unterstützung anbieten
  8. Anpassung und Personalisierung unterstützen

Vieles davon ist schlicht gutes Design. Die Leitlinie weist darauf hin, dass auch Menschen unter vorübergehendem Stress und Menschen, die die Sprache nicht gut kennen, davon profitieren.

Wie viele Menschen haben Legasthenie oder ADHS?

Legasthenie betrifft laut European Dyslexia Association (öffnet in einem neuen Tab) etwa 9 bis 12 % der Bevölkerung, 2 bis 4 % davon stark. Für Erwachsene mit ADHS schätzte eine weltweite Metaanalyse von 2021 (öffnet in einem neuen Tab) 2,58 % für eine anhaltende ADHS, die in der Kindheit begann, und 6,76 %, wenn man Erwachsene mit aktuellen Symptomen mitzählt; das entsprach 2020 etwa 366 Millionen Menschen.

Schätzungen zur Häufigkeit
DiagnoseSchätzungQuelle
LegasthenieEtwa 9 bis 12 % der Bevölkerung (2 bis 4 % stark betroffen)European Dyslexia Association
Anhaltende ADHS bei Erwachsenen (Beginn in der Kindheit, Symptome im Erwachsenenalter)2,58 % der Erwachsenen, etwa 140 Millionen (2020)Song et al., 2021
Symptomatische ADHS bei Erwachsenen (aktuelle Symptome)6,76 % der Erwachsenen, etwa 366 Millionen (2020)Song et al., 2021

Diese Diagnosen überschneiden sich oft: Die EDA schätzt, dass 8 bis 18 % der Menschen mit Legasthenie auch ADHS haben und 20 bis 40 % eine Dyskalkulie. Sie betont außerdem, dass Legasthenie nichts mit Intelligenz zu tun hat. Die Schätzungen schwanken mit der Definition, die Größenordnung ist aber klar. Entsprechen Ihre Besucher dem Bevölkerungsschnitt, haben etwa 900 bis 1.200 von 10.000 eine Legasthenie.

Helfen Legasthenie-Schriften wirklich?

Als Lesehilfe nach heutigem Stand nicht. Kontrollierte Studien zu OpenDyslexic und Dyslexie fanden gegenüber Arial oder Times New Roman keinen Gewinn bei Lesegeschwindigkeit oder Genauigkeit, und eine Metaanalyse von 15 Studien aus dem Jahr 2026 ergab einen Gesamteffekt nahe null. Manche Leserinnen und Leser bevorzugen diese Schriften trotzdem, und diese Vorliebe verdient Respekt.

Schriften wie OpenDyslexic und Dyslexie sollen Buchstaben schwerer verwechselbar machen, etwa durch dickere untere Partien oder deutlichere Formen. Den versprochenen Nutzen hat die Forschung nicht gefunden:

  • Wery und Diliberto (2017) verglichen OpenDyslexic mit Arial und Times New Roman bei Grundschulkindern mit Legasthenie. Sie fanden „keine Verbesserung bei Lesegeschwindigkeit oder Genauigkeit“ und folgerten, es bringe „möglicherweise keinen Nutzen, Druckmaterialien in diese Schrift zu übertragen“. Kein Kind gab an, die Schrift zu bevorzugen (Annals of Dyslexia, Eintrag bei ERIC (öffnet in einem neuen Tab)).
  • Kuster und Kollegen verglichen Dyslexie mit Arial und Times New Roman in zwei Experimenten, das erste mit 170 Kindern mit Legasthenie. Ihr Fazit: Die Schrift „nützt dem Leseprozess weder, noch behindert sie ihn“, und mehr Kinder bevorzugten die gewöhnlichen Schriften (Annals of Dyslexia, 2018 (öffnet in einem neuen Tab)).
  • Eine Metaanalyse von 2026 von Azzarello und Kollegen fasste 15 Studien mit Kindern mit Legasthenie zusammen (91 Effektstärken, 688 Teilnehmende). Der Gesamteffekt war vernachlässigbar, g = −0,04 (95-%-Konfidenzintervall −0,15 bis 0,07), wobei null keinen Unterschied bedeutet. Die Schriften „bieten Lesern mit Legasthenie keinen wesentlichen Vorteil gegenüber herkömmlichen Schriften“ (Annals of Dyslexia, 2026 (öffnet in einem neuen Tab)).

Zwei Einschränkungen. Der Großteil dieser Forschung betrifft Kinder und misst Geschwindigkeit und Genauigkeit, nicht den Lesekomfort über eine lange Sitzung. Und die Metaanalyse ergänzt, dass „bestimmte typografische Merkmale die Lesbarkeit fördern können“, was eher auf Abstände als auf eine bestimmte Markenschrift hindeutet. Stellen Sie also nicht Ihre ganze Website auf eine Legasthenie-Schrift um. Nehmen Sie eine klare, vertraute Schrift und lassen Sie Leser, die eine andere mögen, diese selbst wählen.

Was hilft Menschen mit Legasthenie beim Lesen am Bildschirm?

Abstände, Layout und Formulierung bewirken mehr als die Schrift. Geben Sie Text Raum, halten Sie Zeilen angemessen kurz, setzen Sie ihn linksbündig statt im Blocksatz, gliedern Sie ihn in kurze Absätze unter klaren Überschriften und schreiben Sie einfach. Vor allem: Sorgen Sie dafür, dass Ihr Layout nicht zerbricht, wenn Leser die Abstände selbst vergrößern. Das verlangen die WCAG auf Stufe AA.

Abstände sind besser belegt als Schriften, aber auch hier ist die Frage nicht abschließend geklärt. In einer Studie in PNAS von 2012 (öffnet in einem neuen Tab) lasen 74 italienische und französische Kinder mit Legasthenie zwischen 8 und 14 Jahren Text mit extragroßem Buchstabenabstand schneller und mit etwa halb so vielen Fehlern, ganz ohne Training. Eine veröffentlichte Erwiderung (öffnet in einem neuen Tab) wandte ein, der Gewinn könne daher rühren, dass die Kinder schwächere Leser waren, und nicht von der Legasthenie selbst. Vielversprechend also, aber nicht bewiesen.

Erfolgskriterium 1.4.12 Textabstand in WCAG 2.2 (öffnet in einem neuen Tab) zwingt Sie nicht zu großen Abständen. Es verlangt, dass Ihre Inhalte weiter funktionieren, wenn jemand die Zeilenhöhe auf das 1,5-Fache der Schriftgröße setzt, den Absatzabstand auf das 2-Fache, den Buchstabenabstand auf das 0,12-Fache und den Wortabstand auf das 0,16-Fache. Die Erläuterung des W3C zum Kriterium (öffnet in einem neuen Tab) nennt den Grund: „Menschen mit Legasthenie vergrößern unter Umständen den Abstand zwischen Zeilen, Wörtern und Buchstaben, um schneller zu lesen.“ Der klassische Fehler ist eine Produktkarte mit fester Höhe, in der „Kostenlose Rücksendung innerhalb von 30 Tagen“ zu „Kostenlose Rücksendung inn“ abgeschnitten wird.

  • Begrenzen Sie Zeilen auf höchstens etwa 80 Zeichen und verzichten Sie auf Blocksatz, so die Zielwerte im AAA-Kriterium 1.4.8 Visuelle Präsentation. Linksbündiger Text hält die Wortabstände gleichmäßig.
  • Verwenden Sie kurze Absätze, aussagekräftige Überschriften und nummerierte Schritte, damit Leser ihre Stelle wiederfinden.
  • Veröffentlichen Sie echten Text statt Text in Bildern oder eingescannten PDFs, damit Sprachausgabe und die eigenen Schriften der Leser funktionieren.
  • Achten Sie auf guten Kontrast ohne Blendung. Manche Leser empfinden Schwarz auf grellem Weiß als anstrengend, und ein sanfterer Hintergrund ist in Ordnung, solange der Text über dem WCAG-Minimum von 4,5:1 bleibt. Unser Leitfaden zum Farbkontrast erklärt die Werte.

Wie werden Websites für Menschen mit ADHS leichter nutzbar?

Verringern Sie, was um Aufmerksamkeit konkurriert, und machen Sie es leicht, eine Aufgabe wieder aufzunehmen. Das heißt: kein automatisch startendes Video und kein Ton, keine Pop-ups mitten in einer Aufgabe, eine Möglichkeit, alles Bewegte anzuhalten, kurze Schritte mit sichtbarem Fortschritt und Formulare, die behalten, was schon eingegeben wurde. Die kognitive Leitlinie des W3C nennt dieses Ziel „Nutzern helfen, sich zu konzentrieren“.

Menschen, denen es schwerfällt, sich zu konzentrieren oder ihre Konzentration wiederzufinden, haben möglicherweise Schwierigkeiten, eine einfache Aufgabe zu erledigen

W3C, Making Content Usable for People with Cognitive and Learning Disabilities (öffnet in einem neuen Tab) (eigene Übersetzung)
  • Unterbrechen Sie nicht. Kein Newsletter-Pop-up nach dem zweiten Formularfeld, keine hüpfende Chat-Blase, kein Banner, das auf jeder Seite wiederkommt.
  • Lassen Sie Bewegung anhalten. Alles, was sich länger als fünf Sekunden von selbst bewegt, blinkt oder scrollt, braucht eine Möglichkeit zum Pausieren, Beenden oder Ausblenden (WCAG 2.2.2, Stufe A).
  • Zeigen Sie den Weg. Teilen Sie lange Formulare in Schritte und sagen Sie, wo man gerade ist: „Schritt 2 von 4: Lieferung“.
  • Bewahren Sie den Fortschritt. Wenn jemand kurz weggeht, um seine Bankkarte zu holen, sollten Warenkorb und halb ausgefülltes Formular noch da sein.
  • Verzichten Sie auf künstliche Dringlichkeit. Countdowns und Banner wie „Nur noch 2 verfügbar“ erhöhen den Druck genau dann, wenn sich jemand konzentrieren muss. Echte Zeitlimits sollten sich anpassen lassen (WCAG 2.2.1).
  • Machen Sie Fehler korrigierbar. Fragen Sie vor jedem unumkehrbaren Schritt nach und bieten Sie, wo möglich, ein Rückgängigmachen an.

Nichts davon ist ADHS-spezifisch. Es macht den Checkout auch für alle anderen schneller.

Was bringen die neuen Kriterien von WCAG 2.2 für die kognitive Barrierefreiheit?

Drei der neun neuen Kriterien in WCAG 2.2 zielen direkt auf die kognitive Belastung. 3.2.6 Konsistente Hilfe (Stufe A) hält Hilfe an derselben Stelle, 3.3.7 Redundante Eingabe (A) verhindert, dass Abläufe dieselben Angaben zweimal abfragen, und 3.3.8 Barrierefreie Authentifizierung (AA) entfernt Gedächtnistests und Rätsel aus dem Login, sofern es keine Alternative gibt.

Kriterien in WCAG 2.2, die die kognitive Belastung senken
KriteriumStufeWas es verlangtBeispiel
3.2.6 Konsistente HilfeAHilfe, die auf mehreren Seiten vorkommt, etwa Kontaktdaten oder ein Chat-Link, bleibt in derselben relativen Reihenfolge„Kontakt“ steht auf jeder Seite an derselben Stelle im Footer
3.3.7 Redundante EingabeAAngaben, die im selben Vorgang schon gemacht wurden, werden automatisch ausgefüllt oder stehen zur AuswahlEine Option „Rechnungsadresse wie Lieferadresse“
3.3.8 Barrierefreie Authentifizierung (Minimum)AAKein kognitiver Funktionstest wie das Erinnern eines Passworts oder das Lösen eines Rätsels, es sei denn, es gibt eine Alternative oder Hilfe wie einen Passwort-ManagerEinfügen in Passwort- und Codefeldern erlauben oder einen Anmeldelink per E-Mail anbieten

Auch ältere Kriterien helfen, etwa Beschriftungen oder Anweisungen (3.3.2) und Fehlererkennung (3.3.1). Viele kognitive Bedürfnisse, etwa einfache Sprache, lassen sich aber kaum in Bestanden-oder-durchgefallen-Tests fassen, und ein großer Teil der kognitiven Empfehlungen des W3C steht in der ergänzenden Leitlinie statt in den WCAG selbst. Unser verständlicher Leitfaden zu WCAG 2.2 behandelt alle neun neuen Kriterien.

Einfache Sprache: Wie schreiben Sie für alle?

Einfache Sprache heißt, so zu schreiben, dass Ihre Zielgruppe beim ersten Lesen findet, was sie braucht, es versteht und danach handeln kann. In der Praxis: Antwort oder Handlung zuerst, gängige Wörter, meist kurze Sätze, unvermeidliche Fachbegriffe erklären und Schritte als nummerierte Liste. Das hilft Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen und allen, die es eilig haben.

  • Vorher: „Kunden, die Waren zurücksenden möchten, haben sicherzustellen, dass die Artikel innerhalb eines Zeitraums von höchstens 30 Tagen ab dem Lieferdatum eingehen, vorbehaltlich der nachstehend aufgeführten Bedingungen.“ Nachher: „Sie können Artikel bis zu 30 Tage nach der Lieferung zurückschicken. So geht’s:“, gefolgt von drei nummerierten Schritten.
  • Vorher: „Ungültige Eingabe.“ Nachher: „Geben Sie Ihre Postleitzahl ein, zum Beispiel 10115.“
  • Vorher: „Hier klicken.“ Nachher: „Größentabelle herunterladen (PDF, 2 Seiten).“

Schreiben Sie Zahlen als Ziffern und Datumsangaben vollständig aus („Freitag, 14. November“), und bleiben Sie bei einem Gedanken pro Satz. Das AAA-Kriterium 3.1.5 Leseniveau der WCAG verlangt eine einfachere Fassung oder ergänzende Inhalte, wenn ein Text mehr Lesefähigkeit voraussetzt als die untere Sekundarstufe. Das überall zu erfüllen, ist anspruchsvoll, für Hilfeseiten, AGB und Fehlermeldungen aber ein nützlicher Maßstab.

Welche Rolle spielen Personalisierungstools?

Mit Personalisierungstools passt jede Person eine Seite an sich an: eine andere Schrift, mehr Abstand, eine Lesehilfe, Vorlesen, abgeschaltete Animationen. Das W3C zählt „Anpassung und Personalisierung unterstützen“ zu seinen acht kognitiven Zielen. Diese Tools sind eine Wahlmöglichkeit für Lesende. Schwer verständliche Inhalte oder Abläufe, die vom Gedächtnis abhängen, reparieren sie nicht.

Unser eigenes Panel, SiteAccessible, ist ein Beispiel dafür, deshalb hier, was es kann und was nicht. Sein Profil „Legasthenie-freundlich“ wechselt zu einer anderen Schrift (Andika, alternativ OpenDyslexic), vergrößert Zeilenhöhe sowie Buchstaben- und Wortabstand und richtet Text linksbündig aus. Die Schrift bieten wir an, weil manche Leser sie bevorzugen und diese Vorliebe zählt, nicht weil sie eine erwiesene Lesehilfe wäre: Die Forschung oben sagt, dass sie es nicht ist. Die Abstände kommen dem, was die Belege stützen, näher.

Das Profil „ADHS-freundlich“ stoppt Animationen, schwächt Farben ab und blendet eine Lesemaske ein, die alles außer einem Streifen um den Mauszeiger abdunkelt. Das kann eine unruhige Seite ruhiger machen. Es verbessert niemandes Konzentration, und das behaupten wir auch nicht. Nichts davon schreibt Ihre Texte um, entfernt Ihre Pop-ups oder vereinfacht Ihren Checkout. Die vollständige Liste der Anpassungen finden Sie in unserer Funktionsübersicht.

Wenn Sie diesen Monat drei Dinge tun, dann diese: Testen Sie Ihre wichtigsten Seiten mit den Textabstandswerten von oben, entfernen Sie alles, was den Checkout unterbricht, und schreiben Sie Ihre drei meistgelesenen Hilfeseiten in einfacher Sprache neu. Unser Leitfaden Barrierefreiheit einer Website testen zeigt, wie Sie Abstände, Zoom und Tastaturbedienung prüfen, und unser Überblick Wie Menschen mit Behinderungen das Web nutzen ordnet diese Bedürfnisse in das Gesamtbild ein.

Häufige Fragen

Welche Schrift ist die beste bei Legasthenie?

Eine erwiesene Legasthenie-Schrift gibt es nicht. Studien zu OpenDyslexic und Dyslexie fanden im Vergleich zu Arial oder Times New Roman keine Verbesserung bei Lesegeschwindigkeit oder Genauigkeit, und eine Metaanalyse von 15 Studien aus dem Jahr 2026 ergab einen Gesamteffekt nahe null. Eine klare, vertraute serifenlose Schrift mit großzügigen Abständen und kurzen Zeilen ist die sicherere Wahl.

Funktionieren Legasthenie-Schriften?

Als Lesehilfe nach heutigem Forschungsstand nicht. Eine Studie von 2017 fand bei OpenDyslexic „keine Verbesserung bei Lesegeschwindigkeit oder Genauigkeit“, und eine Metaanalyse von 2026 kam zu dem Schluss, dass legastheniefreundliche Schriften „keinen wesentlichen Vorteil gegenüber herkömmlichen Schriften bieten“. Manche Menschen bevorzugen sie trotzdem; die Wahl anzubieten, ist also in Ordnung.

Wie häufig ist Legasthenie?

Die European Dyslexia Association schätzt, dass Legasthenie etwa 9 bis 12 % der Bevölkerung betrifft, 2 bis 4 % davon stark. Die Schätzungen hängen von der verwendeten Definition ab. Mit Intelligenz hat Legasthenie nichts zu tun.

Was macht eine Website ADHS-freundlich?

Weniger Unterbrechungen und Ablenkungen: keine automatisch abspielenden Medien und keine Pop-ups mitten in einer Aufgabe, kurze und klar ausgeschilderte Abläufe, sichtbarer Fortschritt, eine Möglichkeit, Bewegung anzuhalten, und Inhalte in überschaubaren Abschnitten. Die Leitlinie des W3C zur kognitiven Barrierefreiheit nennt „Nutzern helfen, sich zu konzentrieren“ als eines ihrer acht Ziele.

Ist kognitive Barrierefreiheit Teil der WCAG?

Zum Teil. Die WCAG decken einige kognitive Bedürfnisse ab, etwa Beschriftungen, Hilfe bei Fehlern und konsistente Navigation, und WCAG 2.2 hat Konsistente Hilfe, Redundante Eingabe und Barrierefreie Authentifizierung ergänzt. Die W3C-Leitlinie „Making Content Usable for People with Cognitive and Learning Disabilities“ (2021) geht als ergänzende Empfehlung weiter.

Sollte ich für Leser mit Legasthenie die Schrift meiner Website ändern?

Es ist nicht nötig, alle auf eine Spezialschrift umzustellen, denn die Forschung zeigt keinen Vorteil beim Lesen. Verwenden Sie eine klare, vertraute Schrift, geben Sie Text mit angenehmer Zeilenhöhe und kurzen Zeilen Raum und sorgen Sie dafür, dass Ihr Layout weiter funktioniert, wenn Leser Abstände vergrößern oder die Schrift selbst ändern.

Quellen

  1. Making Content Usable for People with Cognitive and Learning Disabilities (Working Group Note, 29 April 2021) (öffnet in einem neuen Tab), W3C
  2. Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.2 (öffnet in einem neuen Tab), W3C
  3. Understanding Success Criterion 1.4.12: Text Spacing (öffnet in einem neuen Tab), W3C
  4. What is dyslexia? (öffnet in einem neuen Tab), European Dyslexia Association
  5. The prevalence of adult attention-deficit hyperactivity disorder: a global systematic review and meta-analysis (Song et al., Journal of Global Health, 2021) (öffnet in einem neuen Tab), Journal of Global Health
  6. The effect of a specialized dyslexia font, OpenDyslexic, on reading rate and accuracy (Wery and Diliberto, Annals of Dyslexia 67(2), 2017) (öffnet in einem neuen Tab), Annals of Dyslexia (record via ERIC)
  7. Dyslexie font does not benefit reading in children with or without dyslexia (Kuster et al., Annals of Dyslexia 68(1), 2018) (öffnet in einem neuen Tab), Annals of Dyslexia
  8. Does font improve reading in dyslexic children? A meta-analysis of dyslexia-friendly fonts and dyslexic children's reading performance (Azzarello et al., 2026) (öffnet in einem neuen Tab), Annals of Dyslexia
  9. Extra-large letter spacing improves reading in dyslexia (Zorzi et al., PNAS 109(28), 2012) (öffnet in einem neuen Tab), Proceedings of the National Academy of Sciences
  10. Interletter spacing and dyslexia (Skottun and Skoyles, letter, 2012) (öffnet in einem neuen Tab), Proceedings of the National Academy of Sciences