Inklusives Design
Wie Menschen mit Behinderungen das Web nutzen: assistive Technologien
Screenreader, Zoom, Untertitel, Schalter und Sprachsteuerung: wie Menschen mit Behinderungen Websites nutzen, mit aktuellen Zahlen und den häufigsten Barrieren.
Veröffentlicht 11 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
Menschen mit Behinderungen nutzen das Web mit assistiven Technologien und Einstellungen, die dazu passen, wie sie sehen, hören, sich bewegen und denken: Screenreader, Braillezeilen, Vergrößerung und Zoom, Untertitel, Tastatur, Schalter und Sprachsteuerung. Diese Werkzeuge funktionieren nur gut, wenn die Website darunter echte Überschriften, Beschriftungen, Textalternativen und vollständige Tastaturbedienung bietet.
Das Wichtigste
- Etwa jeder sechste Mensch weltweit lebt mit einer erheblichen Behinderung (WHO), und 23,9 % der Erwachsenen in der EU berichten von einer dauerhaften Einschränkung (Eurostat, 2024).
- Der Anteil steigt mit dem Alter steil an, von 7,1 % der 16- bis 24-Jährigen in der EU auf 72,3 % der Menschen ab 85.
- Die meisten Menschen bringen ihre eigenen Werkzeuge mit, etwa Screenreader, Zoom, Untertitel, Sprachsteuerung oder einen Schalter, und Ihre Website muss damit funktionieren.
- Struktur ist Navigation: 71,6 % der Screenreader-Nutzer beginnen auf einer langen Seite damit, von Überschrift zu Überschrift zu springen.
- Die häufigsten Barrieren sind ganz grundlegende, angeführt von zu schwachem Kontrast, fehlenden Alternativtexten und unbeschrifteten Formularfeldern.
Drei Menschen wollen auf derselben Restaurant-Website einen Tisch reservieren. Amira ist blind und hört sich die Seite mit VoiceOver auf ihrem iPhone an. Tom hat rheumatoide Arthritis und nutzt die Tastatur, weil ihm die Maus Schmerzen bereitet. Margit ist 78 und zoomt auf 200 %, um die Speisekarte zu lesen. Ist die Speisekarte ein Foto einer gedruckten Seite und reagiert die Datumsauswahl nur auf die Maus, geben alle drei auf und reservieren woanders.
Dieser Leitfaden erklärt mit aktuellen Zahlen, wie Menschen mit Behinderungen das Web tatsächlich nutzen. Ein Wort zur Sprache: Wir schreiben „Menschen mit Behinderungen“, wie es auch die EU-Institutionen tun, während viele selbst lieber von „behinderten Menschen“ sprechen. Wenn Sie über eine bestimmte Person schreiben, verwenden Sie die Worte, die sie selbst benutzt.
Wie viele Menschen haben eine Behinderung?
Etwa 1,3 Milliarden Menschen, 16 % der Weltbevölkerung oder jeder sechste, leben laut Weltgesundheitsorganisation (öffnet in einem neuen Tab) mit einer erheblichen Behinderung (Faktenblatt, März 2023). In der EU berichteten 2024 laut Eurostat (öffnet in einem neuen Tab) 23,9 % der Menschen ab 16 Jahren von einer dauerhaften Einschränkung bei alltäglichen Aktivitäten, also etwa jeder vierte Erwachsene.
| Kennzahl | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Erhebliche Behinderung, weltweit | 1,3 Milliarden (16 %) | WHO, 2023 |
| Sehbeeinträchtigung in der Nähe oder Ferne, weltweit | Mindestens 2,2 Milliarden | WHO, 2026 (öffnet in einem neuen Tab) |
| Behindernder Hörverlust, weltweit | 430 Millionen (über 5 %) | WHO, 2026 (öffnet in einem neuen Tab) |
| Erwachsene in der EU mit dauerhafter Einschränkung | 23,9 % (6,7 % schwer) | Eurostat, Daten für 2024 |
| Menschen mit Behinderungen in Europa | 90 Millionen | Europäische Kommission, 2026 (öffnet in einem neuen Tab) |
Die Werte der einzelnen Länder reichen von 12,7 % in Bulgarien bis 41,2 % in Lettland, und es handelt sich um Selbstauskünfte; vergleichen Sie Länder also mit Vorsicht. Wichtiger ist die Alterskurve. Bei Menschen ab 85 ist der Anteil zehnmal so hoch (öffnet in einem neuen Tab) (72,3 %) wie bei 16- bis 24-Jährigen (7,1 %), und 22,0 % der EU-Bevölkerung (öffnet in einem neuen Tab) sind 65 oder älter. Viele von ihnen würden sich selbst nicht als behindert bezeichnen.
Was sind assistive Technologien?
Assistive Technologien sind Software und Hardware, mit der ein Mensch einen Computer, ein Smartphone oder eine Website so nutzen kann, wie es zu seinem Körper und seinem Denken passt. Screenreader, Vergrößerungssoftware, Spracherkennung, Schalter und Braillezeilen sind die bekanntesten Beispiele. Daneben nutzen Menschen einfachere Anpassungen wie größeren Text, einen langsameren Mauszeiger oder standardmäßig eingeschaltete Untertitel.
Das W3C nennt diese einfacheren Anpassungen „adaptive Strategien“, die seine Übersicht über Werkzeuge und Techniken (öffnet in einem neuen Tab) als „Techniken, mit denen Menschen mit Behinderungen ihre Interaktion mit dem Web verbessern“ beschreibt. Die meisten Menschen kombinieren beides.
| Werkzeug | Was es tut | Was es von Ihrer Website braucht |
|---|---|---|
| Screenreader | Liest die Seite vor oder gibt sie auf einer Braillezeile aus; Nutzer springen zwischen Überschriften, Links und Formularfeldern | Echte Überschriften, Alternativtexte, Formularbeschriftungen, Link- und Buttontexte, die für sich allein verständlich sind |
| Vergrößerungssoftware oder Browser-Zoom | Vergrößert einen Teil oder den ganzen Bildschirm | Layouts, die umbrechen, und Text, der sich vergrößern lässt, ohne dass etwas kaputtgeht |
| Tastatur | Tab, Enter, Leertaste und Pfeiltasten statt einer Maus | Jedes Bedienelement erreichbar, mit sichtbarem Fokus |
| Sprachsteuerung | Bedient das Gerät mit gesprochenen Befehlen wie „Klicke Jetzt buchen“ | Sichtbare Beschriftungen, die zum Namen des Bedienelements im Code passen |
| Schaltersteuerung | Ein oder zwei Tasten gehen die Optionen nacheinander durch | Tastaturbedienung und eine kurze, logische Reihenfolge |
| Untertitel und Transkripte | Machen aus Sprache und Geräuschen Text | Genaue Untertitel bei Videos, Transkripte bei Audio |
Vieles davon ist schon eingebaut: VoiceOver und Sprachsteuerung auf Apple-Geräten, TalkBack und Voice Access unter Android, Sprachausgabe und Bildschirmlupe unter Windows. Viele Windows-Nutzer installieren zusätzlich JAWS, das kostenpflichtig ist, oder das kostenlose NVDA.
Wie nutzen blinde Menschen Websites?
Die meisten blinden Menschen verwenden einen Screenreader, also Software, die die Seite in Sprache oder Braille umwandelt, und bewegen sich mit Tastaturbefehlen oder Wischgesten statt mit einer Maus durch die Seite. Selten hören sie eine Seite von oben bis unten an. In der WebAIM-Umfrage von 2024 gaben 71,6 % der Screenreader-Nutzer an, sich auf einer langen Seite zuerst über die Überschriften zu bewegen.
Die Screen Reader User Survey #10 (öffnet in einem neuen Tab) von WebAIM sammelte 1.539 Antworten, im Dezember 2023 und Januar 2024. Die Teilnehmenden haben sich selbst gemeldet; es ist also keine repräsentative Erhebung. Einige Ergebnisse:
- Am Desktop nutzen 40,5 % vor allem JAWS, 37,7 % NVDA und 9,7 % VoiceOver.
- 91,3 % nutzen einen Screenreader auf Smartphone oder Tablet, 70,6 % vor allem Apple-Geräte.
- 38 % nutzen eine Braille-Ausgabe, also eine Braillezeile, deren Stifte sich zu Zeichen heben.
Stellen Sie sich einen Screenreader-Nutzer auf einer Produktseite vor. Er ruft eine Liste der Überschriften auf und springt zu „Bewertungen“. Ihr Layout erlebt er nie, nur die Struktur darunter: Sind Ihre Überschriften nur fett gesetzte Absätze, ist diese Liste leer, und drei Buttons namens „In den Warenkorb“ klingen völlig gleich.
- Überschriften, die echte Überschriftenelemente sind, in sinnvoller Reihenfolge.
- Alternativtexte, die sagen, worauf es ankommt: „Marineblauer Wollmantel, knielang, Vorderansicht“ statt „IMG_4471.jpg“. Dekorative Bilder bekommen einen leeren Alternativtext, damit sie übersprungen werden.
- Formularbeschriftungen an jedem Feld und Fehlermeldungen, die vorgelesen werden, statt nur rot zu erscheinen.
- Link- und Buttontexte, die für sich allein verständlich sind: „Unsere Rückgaberegeln lesen“ statt „Hier klicken“.
Wie nutzen sehbehinderte Menschen Websites?
Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen machen Dinge meist größer oder deutlicher, statt auf Audio umzusteigen. Sie zoomen im Browser, nutzen Vergrößerungssoftware, vergrößern den Systemtext, schalten Hochkontrast oder den Dunkelmodus ein oder vergrößern Abstände. Die Gruppe ist groß: Die WHO schätzt, dass mindestens 2,2 Milliarden Menschen eine Sehbeeinträchtigung in der Nähe oder Ferne haben.
Bei starker Vergrößerung sieht man mit einer Bildschirmlupe immer nur einen kleinen Ausschnitt. Eine Meldung „Warenkorb aktualisiert“ in einer oberen Ecke ist leicht zu übersehen, ebenso eine Fehlerübersicht, die weit vom fehlerhaften Feld entfernt steht.
Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.2 (öffnet in einem neuen Tab) decken das mit drei Erfolgskriterien der Stufe AA ab: Text muss sich ohne Inhaltsverlust auf 200 % vergrößern lassen (1.4.4), Inhalte müssen bei einer Breite von 320 CSS-Pixeln umbrechen, damit niemand in zwei Richtungen scrollen muss (1.4.10), und Seiten müssen größere Zeilen-, Buchstaben- und Wortabstände vertragen (1.4.12). Zum Kontrast lesen Sie unseren Leitfaden zum Farbkontrast. Und die fotografierte Speisekarte? Als Webseite mit Überschriften neu aufgebaut, funktioniert sie für Margit und Amira gleichermaßen.
Wie nutzen gehörlose und schwerhörige Menschen das Web?
Gehörlose und schwerhörige Menschen nutzen das Web wie alle anderen, bis Ton Informationen transportiert. Dann brauchen sie Untertitel bei Videos, Transkripte bei Audio und einen Weg, Sie zu kontaktieren, der kein Telefonanruf ist. Die WHO schätzt, dass 430 Millionen Menschen, mehr als 5 % der Weltbevölkerung, wegen eines behindernden Hörverlusts Rehabilitation brauchen.
Für viele gehörlose Menschen, besonders für jene, die sich der Gehörlosenkultur zugehörig fühlen, ist die Gebärdensprache ihres Landes die erste Sprache und die Schriftsprache die zweite. Einfach geschriebene Texte helfen ihnen, so wie allen, die in einer Zweitsprache lesen.
- Versehen Sie jedes aufgezeichnete Video, in dem gesprochen wird, mit Untertiteln (WCAG 1.2.2, Stufe A). Prüfen Sie automatische Untertitel: Namen, Produktbegriffe und Zahlen geraten dabei leicht durcheinander.
- Bieten Sie neben dem Telefon andere Kontaktwege an. „Rufen Sie uns an, um zu kündigen“ schließt manche Kunden komplett aus.
- Spielen Sie keinen Ton automatisch ab. Audio, das länger als 3 Sekunden läuft, braucht eine Möglichkeit zum Pausieren oder Stoppen (WCAG 1.4.2), und auch Screenreader-Nutzer brauchen sie.
Wie bewegen sich Menschen mit motorischen Behinderungen auf Websites?
Menschen mit motorischen Behinderungen benutzen oft gar keine Maus. Sie nutzen eine Tastatur, einen Schalter, Sprachsteuerung, eine Augensteuerung, eine Kopfmaus oder einen Trackball, manchmal während sie mit Tremor, Schmerzen oder Erschöpfung zurechtkommen müssen. All das setzt voraus, dass die Website ohne präzises Zeigen funktioniert: jedes Bedienelement per Tastatur erreichbar, der Fokus immer sichtbar und Ziele groß genug, um sie zu treffen.
Die WCAG fangen bei der Tastatur an: Alles muss ohne Maus funktionieren (2.1.1, Stufe A). Was typischerweise im Weg steht:
- Unsichtbarer Fokus. Wird der Fokusrahmen aus optischen Gründen entfernt, verlieren Tastaturnutzer die Orientierung (WCAG 2.4.7).
- Lange Wege. Wer mit einem Schalter arbeitet, geht die Bedienelemente einzeln durch. Ein Mega-Menü mit 60 Links und ohne Link „Zum Hauptinhalt springen“ kann 60 Tastendrücke bedeuten, bevor man beim Produkt ankommt.
- Beschriftungen, die nicht passen. Eine Person mit Sprachsteuerung sagt „Klicke Jetzt buchen“, aber der Button heißt im Code „Formular absenden“, also passiert nichts (WCAG 2.5.3, Beschriftung (Label) im Namen).
- Winzige Ziele und Schieberegler nur zum Ziehen. WCAG 2.2 legt eine Mindestzielgröße von 24 × 24 CSS-Pixeln fest (2.5.8) und verlangt eine Klick-Alternative zum Ziehen (2.5.7). Unser Leitfaden zu WCAG 2.2 erklärt beides.
Wie nutzen Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, Legasthenie oder ADHS das Web?
Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen und Lernschwierigkeiten, darunter Legasthenie, ADHS, Gedächtnisverlust und Hirnverletzungen, kombinieren Werkzeuge und Strategien: Sprachausgabe, Rechtschreibprüfung, Leselineale, Passwort-Manager, Lesemodus und mehr Zeit. Am meisten hilft aber, was auf Ihrer Seite des Bildschirms passiert: klare Sprache, vorhersehbare Layouts und Abläufe, die Fehler nicht bestrafen.
Die Leitlinien des W3C zu kognitiven Beeinträchtigungen und Lernschwierigkeiten (öffnet in einem neuen Tab) enthalten unter anderem die Ziele „Nutzern helfen, sich zu konzentrieren“ und „Dafür sorgen, dass Abläufe nicht vom Gedächtnis abhängen“.
Ein Login, das nach dem dritten und fünften Zeichen eines Merkworts fragt, ist genau die Art Gedächtnistest, vor der das zweite Ziel warnt. Ein Karussell, das sich alle paar Sekunden weiterdreht, arbeitet gegen das erste. Was hilft, auch was die Forschung zu Legasthenie-Schriften sagt, behandeln wir in Gestalten für Legasthenie, ADHS und kognitive Beeinträchtigungen.
Welche eingebauten Einstellungen nutzen Menschen, und wo passt ein Panel auf der Seite hin?
Die meisten Menschen passen ihre eigenen Geräte an, lange bevor sie etwas auf Ihrer Seite anfassen: Browser-Zoom, größerer Systemtext, Dunkelmodus, reduzierte Bewegung, Hochkontrast, Untertitel, Lesemodus und der eingebaute Screenreader des Smartphones. Ihre Website muss diese Einstellungen respektieren. Ein Barrierefreiheits-Panel auf der Seite ist eine zusätzliche Option, kein Ersatz.
- Zoom und Textgröße: Verwenden Sie relative Einheiten und blockieren Sie auf Mobilgeräten nie das Zoomen mit zwei Fingern.
- Reduzierte Bewegung: Websites können diese Einstellung auslesen (die Media-Query prefers-reduced-motion). Respektieren Sie sie bei Parallax-Effekten, Karussells und großen Übergängen.
- Hochkontrast und erzwungene Farben, etwa die Kontrastdesigns von Windows: Prüfen Sie, ob Symbole und Fokusrahmen sichtbar bleiben.
- Der Lesemodus funktioniert am besten mit echten Überschriften und Absätzen.
Ein Panel auf der Seite, wie es SiteAccessible ergänzt, gibt Besuchern Buttons für Kontrast, Textgröße, Abstände, eine Lesehilfe, Vorlesen und das Anhalten von Animationen, ohne dass sie sich durch Geräteeinstellungen suchen müssen. Das hilft manchen Menschen, etwa jemandem an einem Arbeitsrechner, den er nicht einstellen darf, oder jemandem mit Migräne, der für eine Stunde eine ruhigere Seite möchte.
Einem Screenreader-Nutzer hilft es nicht, einen unbeschrifteten Button zu finden, und es macht eine Website nicht WCAG-konform. Deshalb hat unser Panel bewusst kein Profil für blinde Besucher: Ein visuelles Panel kann den Screenreader, den jemand schon beherrscht, nicht ersetzen. Wenn eine Seite an den eigenen Werkzeugen der Menschen scheitert, beheben Sie die Seite.
Was stört die Nutzung am häufigsten?
Immer wieder tauchen dieselben grundlegenden Barrieren auf. Im Scan WebAIM Million 2026 (öffnet in einem neuen Tab) hatten 95,9 % der 1 Million meistbesuchten Startseiten erkennbare WCAG-Fehler, im Schnitt 56,1 pro Seite, angeführt von zu schwachem Kontrast, fehlenden Alternativtexten und unbeschrifteten Formularfeldern. Screenreader-Nutzer nennen das CAPTCHA als das problematischste Element im Web.
| Fehler | Startseiten | Wen er zuerst ausbremst |
|---|---|---|
| Text mit zu wenig Kontrast | 83,9 % | Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen, Ältere |
| Bilder ohne Alternativtext | 53,1 % | Screenreader-Nutzer |
| Formularfelder ohne Beschriftung | 51 % | Nutzer von Screenreadern und Sprachsteuerung |
| Leere Links | 46,3 % | Nutzer von Screenreadern und Sprachsteuerung |
| Leere Buttons | 30,6 % | Nutzer von Screenreadern und Sprachsteuerung |
| Fehlende Sprachangabe | 13,5 % | Screenreader-Nutzer (falsche Aussprache) |
Scans übersehen viel. Die fünf größten Probleme aus Sicht der Screenreader-Nutzer selbst:
- CAPTCHAs
- Menüs, Tabs und Dialoge, die sich nicht wie erwartet verhalten
- Links oder Buttons, die keinen Sinn ergeben
- Bildschirme oder Bildschirmbereiche, die sich unerwartet ändern
- Fehlende Tastaturbedienbarkeit
Für keines davon braucht es besondere Technik. Um sie zu finden, probieren Sie Ihre eigene Website aus: Buchen Sie etwas nur mit der Tastatur, zoomen Sie auf 400 % und lesen Sie Ihren Checkout, und hören Sie sich dann Ihre Überschriften mit VoiceOver oder NVDA an. Unser Leitfaden Barrierefreiheit einer Website testen führt Sie durch diese Prüfungen. Sie ersetzen keine Tests mit Menschen, die diese Werkzeuge jeden Tag nutzen, zeigen Ihnen aber, wo Sie anfangen sollten.
Häufige Fragen
Wie viele Menschen haben eine Behinderung?
Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass 1,3 Milliarden Menschen, etwa 16 % der Weltbevölkerung oder jeder sechste, mit einer erheblichen Behinderung leben (Faktenblatt, März 2023). In der EU berichteten 2024 laut der Eurostat-Erhebung EU-SILC 23,9 % der Menschen ab 16 Jahren von einer dauerhaften Einschränkung bei alltäglichen Aktivitäten.
Wie nutzen blinde Menschen Websites?
Die meisten verwenden einen Screenreader, also Software, die die Seite vorliest oder auf einer Braillezeile ausgibt, und bewegen sich mit Tastaturbefehlen oder Wischgesten durch die Seite. In der WebAIM-Umfrage von 2024 gaben 71,6 % der Screenreader-Nutzer an, sich auf einer langen Seite zuerst über die Überschriften zu bewegen. Deshalb sind echte Überschriften, Alternativtexte und klare Link- und Buttontexte so wichtig.
Welcher Screenreader ist am weitesten verbreitet?
Am Desktop waren in der WebAIM-Umfrage von 2024 unter 1.539 Screenreader-Nutzern JAWS (40,5 %) und NVDA (37,7 %) die häufigsten Haupt-Screenreader, VoiceOver kam auf 9,7 %. Auf Smartphones und Tablets nutzten 91,3 % der Befragten einen Screenreader, 70,6 % vor allem Apple-Geräte.
Was sind assistive Technologien?
Assistive Technologien sind Software und Hardware, mit der ein Mensch einen Computer, ein Smartphone oder eine Website so nutzen kann, wie es zu seinen Fähigkeiten passt. Beispiele sind Screenreader, Bildschirmlupen, Spracherkennung, Schalter, Braillezeilen und Untertitel. Viele Menschen nutzen außerdem eingebaute Einstellungen wie Browser-Zoom, größeren Text und reduzierte Bewegung.
Nimmt Behinderung mit dem Alter zu?
Ja, deutlich. Laut Eurostat steigt der Anteil der EU-Bevölkerung, die von einer Behinderung berichtet, von 7,1 % bei den 16- bis 24-Jährigen auf 72,3 % bei Menschen ab 85 (Daten für 2024). Da im Jahr 2025 bereits 22,0 % der EU-Bevölkerung 65 oder älter waren, betrifft Barrierefreiheit einen großen und wachsenden Teil Ihrer Kundschaft.
Kann ein Barrierefreiheits-Widget einen Screenreader ersetzen?
Nein. Ein Screenreader ist Software, die die Person bereits besitzt, beherrscht und auf ihre Bedürfnisse eingestellt hat, und er funktioniert auf allen Websites und in allen Apps, die sie nutzt. Ein Panel auf der Seite bietet visuelle Anpassungen und Lesehilfen auf einer einzigen Website. Keines von beiden kann fehlende Überschriften, Beschriftungen oder Alternativtexte beheben: Das schaffen nur Änderungen am Code und an den Inhalten der Website.
Quellen
- Disability (fact sheet, 7 March 2023) (öffnet in einem neuen Tab), World Health Organization
- Blindness and vision impairment (fact sheet, 10 February 2026) (öffnet in einem neuen Tab), World Health Organization
- Deafness and hearing loss (fact sheet, 3 March 2026) (öffnet in einem neuen Tab), World Health Organization
- Population with disability (EU-SILC 2024) (öffnet in einem neuen Tab), Eurostat
- Find out more about people with disabilities in the EU (3 December 2025) (öffnet in einem neuen Tab), Eurostat
- Population structure and ageing (öffnet in einem neuen Tab), Eurostat
- Boosting accessibility and inclusion for persons with disabilities (6 May 2026) (öffnet in einem neuen Tab), European Commission
- Screen Reader User Survey #10 Results (öffnet in einem neuen Tab), WebAIM
- The WebAIM Million (2026 report) (öffnet in einem neuen Tab), WebAIM
- Tools and Techniques: How People with Disabilities Use the Web (öffnet in einem neuen Tab), W3C Web Accessibility Initiative
- Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.2 (öffnet in einem neuen Tab), W3C
- Making Content Usable for People with Cognitive and Learning Disabilities (öffnet in einem neuen Tab), W3C